Raymond Loretan verwechseln freiwillig zwei Dinge: die Realität einer demografischen Herausforderung ... und die Instrumentalisierung dieser Herausforderung, um jede beliebige Politik zu rechtfertigen.
Ein alterndes Land braucht keine ständige demografische Flucht nach vorn. Es braucht Klarheit, Verantwortung und Kohärenz.
Den Alterungsprozess durch ein künstliches und kontinuierliches Bevölkerungswachstum zu ersetzen, bedeutet, das Problem hinauszuschieben – nicht zu lösen. Das ist eine Cavalerie-Logik: immer mehr Einwohner, um die vorherigen zu finanzieren, auf Kosten eines erhöhten Drucks auf Infrastruktur, Wohnraum, Löhne und sozialen Zusammenhalt.
Die Slogans sind gerade die, die einen glauben machen wollen, dass es nur einen Weg gibt: den des grenzenlosen Wachstums.
Die Realität ist anspruchsvoller.
Eine nachhaltige Politik ist:
lokale Arbeit aufwerten
die reale Produktivität steigern
– Systeme sozial anpassen
– in Ausbildung und Innovation investieren
– und vor allem, unsere demografische Entwicklung zu steuern
Was die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» vorschlägt, ist kein Slogan. Es ist ein Grenzwert. Eine Begrenzung. Eine gesellschaftliche Wahl.
Die eigentliche Frage ist einfach: Wollen wir unsere Zukunft gestalten – oder sie erleiden?
Wer in einer Vielzahl von Aufsichtsräten sitzt, kann es sich leisten, in abstrakten Schläuchen zu argumentieren. Das Schweizer Volk hingegen lebt in der Realität: überfüllte Züge, explodierende Mieten, angespannte öffentliche Dienstleistungen.
Also nein, die Flucht nach vorn verweigern ist kein Slogan.
Dies ist vielleicht im Gegenteil der letzte Akt der Verantwortung.